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Jan Wissig backt große Brötchen

Limburg: "Jan ist immer bei der Sache. Er nimmt seinen Beruf sehr ernst", lobt Uta Martin Bäckerlehrling Jan Wissig. Die Ausbildungskoordinatorin des Bildungswerks der hessischen Wirtschaft (BWHW) hat großen Anteil daran, dass der lernbeeinträchtigte junge Mann aus Runkel eine Lehrstelle in seinem Wunschberuf als Bäcker gefunden hat. Laut Ausbildungsvertrag ist sie sogar Jans "Chefin". Praktisch ausgebildet wird er allerdings in der Bäckerei von Michael Sabel in Niederhadamar. Beim BWHW erhält der 19jährige jede Woche ein zusätzliches Lernangebot für Bäcker im ersten Ausbildungsjahr. Finanziert wird Jans Lehre von der Limburger Arbeitsagentur.

Jan hatte sich bereits während des Besuchs der Förderschule für eine Bäckerlehre interessiert. Nachdem er den Hauptschulabschluss erreicht hatte, besuchte er noch ein Jahr das BGJ-Ernährung. Ein erster Ausbildungsversuch scheiterte nach sechs Wochen. Jans Berufsberater bot ihm daraufhin die Teilnahme an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BVB) an. Hier hatte er Gelegenheit, seine Ausbildungsreife weiterzuentwickeln und über Betriebspraktika Kontakte in Handwerksbetriebe zu knüpfen.

Bäckermeister Michael Sabel bildet seit einem Viertel Jahrhundert Bäcker aus. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet er auch mit dem BWHW zusammen, um für den Bildungsträger die Ausbildungsfähigkeit junger Bewerber zu prüfen. Der Praktikant aus Runkel überzeugte den Handwerksmeister bereits nach kurzer Zeit. Sabel sagte zu, die Ausbildung selbst zu übernehmen. "Jan ist zuverlässig und handwerklich begabt. Ich bin zuversichtlich, dass er seine Prüfung ordentlich besteht", blickt der Ausbilder in die Zukunft. Die guten Ergebnisse, die Jan vor wenigen Tagen bei einer überbetrieblichen Weiterbildung in Weiterstadt erzielte, belegen die Erfolgsaussichten. Der Bäckerlehrling brachte bessere Noten mit nach Hause, als viele seiner nichtbehinderten Mitstreiter.

Einen wesentlichen Beitrag am Ausbildungserfolg trägt auch Jans Familie, weiß Uta Martin. Als Bäcker muss Jan spätestens um fünf Uhr in der Backstube stehen. Weil so früh noch keine öffentlichen Verkehrsmittel nach Hadamar fahren, bringt ihn seine Mutter täglich in den Ausbildungsbetrieb und holt ihn auch nach Feierabend wieder ab. Das soll sich ändern, sobald Jan den Führerschein hat.

Ralf Fischer von der Arbeitsagentur Limburg, hält es vor dem Hintergrund des demographischen Wandels für notwendig, noch mehr benachteiligte Jugendliche in die Ausbildung einzubeziehen. Nach Angaben des Agentursprechers wird die Anzahl der von den Betrieben begehrten Realschulabgänger im Kreis Limburg-Weilburg bereits bis 2012 um 15 Prozent abnehmen, während die Zahl der aus Haupt- und Förderschüler in den nächsten Jahren konstant bleibe. Gleichzeitig würden sich immer mehr Realschüler für höherwertige Schulabschlüsse und gegen die duale Ausbildung entscheiden. "Damit den Betrieben die Fachkräfte nicht ausgehen, wird die Limburger Arbeitsagentur auch in diesem Jahr in Kooperation mit dem BWHW und heimischen Betrieben 90 zusätzliche Ausbildungsplätze für lernbeeinträchtigte oder sozial benachteiligte Jugendliche einrichten", sagt Fischer.

Jan hat sich inzwischen weitere Ziele gesetzt. "Ich will Meister werden", verrät der künftige Bäckergeselle. Michael Sabel schließt das nicht aus, weiß aber, dass bis dahin noch manches Brot in den Ofen geschoben werden muss.

06.05.2010

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